Arbeitsgebiet Geschichte und Kultur in Afrika

Sowohl die Globalisierung als auch die zunehmende Fremdenangst und -feindlichkeit unserer Zeit machen es wichtig, afrikanische Kulturen zu verstehen: Inwiefern sind sie wirklich "anders", was haben sie mit uns gemeinsam? Diese Frage muss einerseits ethnologisch – durch synchrone Untersuchung – und andererseits historisch, d.h. diachron beantwortet werden. Afrika hat nämlich keine unwandelbaren "traditionellen", "archaischen" Kulturen, sondern die Kulturen sind das Ergebnis historischer Prozesse der Interaktion – miteinander und mit dem Rest der Welt.

Das Arbeitsgebiet nennt sich "Geschichte und Kultur in Afrika" (und nicht etwa "Afrikanische Geschichte und Kultur"), weil die dynamische Produktion von Geschichte und Kultur innerhalb Afrikas im Mittelpunkt steht. Es geht also nicht nur um objektive "Tatsachen", sondern auch um die Selbstwahrnehmung und ihr Verhältnis zur Wahrnehmung Afrikas durch Außenstehende. Manche würden sogar von einer "Erfindung" Afrikas bzw. einzelner Ethnien sprechen.

Mit den Arbeitsgebieten "Wirtschaft und Politik" sowie "Sprachen und Literaturen" weist das Arbeitsgebiet "Geschichte und Kultur in Afrika" viele Überschneidungen auf: Um die heutigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in Afrika zu erklären, muss man die kulturellen, historischen und ökologischen Rahmenbedingungen der longue durée berücksichtigen. Auch die Entstehung der heutigen Sprachfamilien, die Expansion der Bantu-Sprachen oder die Entwicklung von Verkehrssprachen sollte in Zusammenhang mit kulturhistorischen Prozessen gesehen werden, und die Literaturen Afrikas sind Teil der Bemühungen afrikanischer Gesellschaften, sich selbst zu reproduzieren.

Lehre & Forschung

Im Bachelor bietet das Arbeitsgebiet "Geschichte und Kultur in Afrika" Lehrveranstaltungen zur Geschichte einer ausgewählten afrikanischen Region vor bzw. seit 1900 sowie Vorlesungen zu den Religionen, Kulturen und der Kulturgeschichte Afrikas. Die auf Englisch gehaltenen Seminare im Master beziehen sich vor allem auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts, Kunst, Mentalitätengeschichte und Forschungsmethoden. Forschungsprojekte des Arbeitsgebiets befassen sich unter anderem mit historischen Missionsfotografien, mit Wissenstransfer zwischen Afrika und Deutschland vor hundert Jahren und mit der Geschichte Afrikas vor 1850.