Geschichte des Instituts

Ein ausführlicher Aufsatz von Felix Brahm und Adam Jones über die Geschichte der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Afrika an der Universität Leipzig ist im Mehrbändigen Werk Geschichte der Universität Leipzig. 1409-2009 enthalten, das anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der Universität erschienen ist. 

Zur Geschichte der Lehre und Forschung zu "Afrikanischen Sprachen und Literaturen an der Universität Leipzig" liegt ein Aufsatz von Thomas Geider vor. Er erschien ebenfalls im Rahmen des Universitäts-Jubiläums sowie anlässlich der Austellung "Auf der Suche nach Vielfalt. Ethnographie und Geographie in Leipzig" (Grassi-Museum) in der gleichnamigen Publikation und erzählt die Phasen 1895-1936-1960-1993-heute. Den Aufsatz können Sie hier einsehen.

In seiner heutigen Form und mit seinem heutigen Namen besteht das Leipziger Institut für Afrikanistik seit Mitte der 1990er Jahre. Es ist allerdings aus einer über hundertjährigen Geschichte akademischer Beschäftigung mit Afrika an der Universität Leipzig hervorgegangen. Seit dem Kaiserreich und der Kolonialzeit, über die Epoche des DDR-Regimes hindurch bis zur Nachwendezeit haben die Afrikawissenschaften in Leipzig zahlreiche Wandlungen erfahren. Charakteristisches Merkmal blieb allerdings von ihren Anfängen bis heute ihre Multidisziplinarität. 

1880er Jahre

Wie an anderen Orten wurde auch in Leipzig die akademische Beschäftigung mit Afrika wesentlich durch den kolonialen Kontext des späten 19. Jahrhunderts angestoßen. In Leipzig entwickelte sich die Afrika-Forschung zunächst im Rahmen von an der Universität angesiedelten Einzeldisziplinen, namentlich der Sprachwissenschaft, Ethnologie und Geographie: Unter dem Einfluss des Sprachwissenschaftlers Hans Stumme erfuhr zunächst die Orientalistik eine Erweiterung um Studium und Forschung zu afrikanischen Sprachen. 1930 wurde mit der Berufung von Stummes Nachfolger August Klingenheben erstmals ein „Institut für Afrikanische Sprachen“ eingerichtet, das bis zu seiner Wegberufung nach Hamburg sechs Jahre später existierte. Parallel dazu hatte sich mit der Berufung des späteren Direktors des Leipziger Museums für Völkerkunde, Karl Weule, auf die 1901 geschaffene Professur für „Anthropologie, Ethnographie und Praehistorie“ eine ethnologische – und zunächst stark biologistische – Afrika-Forschung etabliert. Schließlich fand Afrika auch im Rahmen der 1915 geschaffenen Professur für „Kolonialgeographie und Kolonialpolitik“ verstärkt Beachtung. Die Professur wurde dem Forschungsreisenden und Kilimanjaro-Besteiger Hans Meyer übertragen. Vier Jahre später ging aus ihr das „Seminar für Kolonialgeographie und Kolonialpolitik“ hervor.

Nach 1945

Nach einem Brachliegen der Afrika-bezogenen Lehre und Forschung in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg rückte Afrika durch die Unabhängigkeitsbewegungen ab Ende der 1950er Jahre  wieder in den Fokus des politischen und wirtschaftlichen Interesses – und fand damit erneut Eingang in das Curriculum der Karl-Marx-Universität Leipzig. Unter dem Historiker Walter Markov entstand am Institut für Kultur- und Universalgeschichte der Schwerpunkt„Vergleichende Kolonialgeschichte“, der auch auf Afrika spezialisierte Forscher und Lehrende versammelte. Parallel dazu sollte die Leipziger Orientalistik zu einer gegenwartsbezogenen Regionalwissenschaft Asiens und Afrikas ausgebaut werden. Der erste Schritt in diese Richtung wurde 1958 mit der Gründung der Abteilung Afrikanistik am Institut für Orientalistik getan. 1960 wurde sie in ein eigenes „Afrika-Institut“ umgewandelt. Die Leitung hatte mit Kurt Büttner ein ehemaliger Assistent Markovs inne. Inhaltlich und personell sollte auch zunächst die Geschichtswissenschaft die Afrikanistik prägen.

Ab 1960 wurde Leipzig – in Abgrenzung zu der stark linguistisch geprägten und als „bürgerlich“ bewerteten Afrika-Forschung an der Berliner Humboldt-Universität – als multidisziplinär und marxistisch-leninistisch ausgerichtetes Zentrum der Afrika-Forschung in der DDR ausgebaut. Das Afrika-Institut wurde demzufolge in drei Abteilungen – Geschichte, Ökonomie sowie Afrikanische Sprachen und Literaturen – gegliedert; dazu gründete sich eine Arbeitsgemeinschaft „Staat und Recht“. Nur sechs Jahre später wurde das Institut aufgelöst – zugunsten einer Eingliederung in die „Sektion Asien-, Afrika- und Lateinamerikawissenschaften“, die die Zusammenarbeit der Regionalwissenschaften fördern sollte. Bis zur Wende  fand die Afrika-Forschung und -Lehre im Rahmen der „Sektion für Afrika- und Nahostwissenschaften“(ANW) statt. 1975 wurde der Sektion der Lehr- und Forschungsbereich „Grundfragen der Nationalen Befreiungsbewegung“ hinzugefügt, an dem eigene Lehrstühle für Neue/Neueste Geschichte, Ökonomie, Soziologie, Staat und Recht und Bildungswesen eingerichtet wurden, die allerdings nicht spezifisch auf eine Region bezogen waren. Die Afrika- und Nahostwissenschaften vereinten Lehre und Forschung zu Themen aus der Geschichts-, Sprach-, Literaturwissenschaft, Ökonomie, Rechtswissenschaft, Soziologie, Philosophie/Ideologie. 1989 arbeiteten innerhalb der Sektion über Afrika etwa 25 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

Nach 1989

Mit der Wende gingen eine Umstrukturierung und ein drastischer Personalabbau in der Leipziger Afrika-Forschung einher. Die Sektion für Afrika- und Nahostwissenschaften wurde zunächst in den „Fachbereich Orientalistik und Afrikanistik“, Ende 1993 schließlich als„Institut für Afrikanistik“ umgebaut, das mit den drei bis heute existierenden Professuren ausgestattet wurde. Mitte der 1990er Jahre wurde der Aufbau-Studiengang „Small Enterprises Promotion and Training“ (SEPT) hinzugefügt.

Leipzig und Afrika

Das Institut für Afrikanistik ist nicht das einzige Produkt von Leipzigs Auseinandersetzung mit Afrika. Vielfältige und bis ins 18. Jahrhundert zurückreichende Beziehungen verbanden und verbinden Leipzig mit Afrika. Im Stadtbild haben diese Verbindungen zahlreiche Spuren hinterlassen. Mehr dazu...